Fragt mich nicht, ob ich schwanger bin!


Fragt mich nicht, ob ich schwanger bin!

„Wer bischt, wem ghörscht, hescht Böda?“ – so ungefähr lautet die traditionelle Liechtensteiner Fragerunde, wenn sich zwei Menschen ineinander verlieben und das Umfeld mehr wissen will.

Bleiben die beiden ein Paar, kommen weitere Fragen auf. Nach einer anstehenden Hochzeit, nach einem gemeinsamen Heim und irgendwann natürlich auch nach dem Kinderwunsch: „Wann ist es bei euch soweit? Wie viele wollt ihr? Langsam würden wir beginnen! Klappt es etwa nicht? Versucht es doch mit künstlicher Befruchtung!“ Diese und viele andere Fragen unter der Gürtellinie müssen sich Paare anhören, die keine Kinder haben. Aus welchen – höchst persönlichen Gründen – auch immer.

Anscheinend geht’s Amerikanerinnen nicht anders, als Liechtensteinerinnen, Vorarlbergerinnen und Schweizerinnen. Emily Bingham, einer jungen Frau aus Michigan, platzte am 21. September 2015 wohl der Kragen. An diesem Tag postete sie den unten stehenden Text auf ihrer privaten Facebookseite. Innert kürzester Zeit verbreitete sich ihr Eintrag viral, im Nu hatte Emily über 70'000 Likes! Viele Medien, darunter auch BBC und Cosmopolitan berichteten über die Wut der jungen Frau und darüber, dass solch äusserst persönliche und sehr intime Fragen von jedermann an jede Frau im „gebärfähigen Alter“ gestellt werden dürfen. Bis heute wurde ihr Post über 80'000 Mal geteilt.

Emily Elizabeth Bingham am 20. September 2015:

"Hey everyone!!! Now that I got your attention with this RANDOM ULTRASOUND PHOTO I grabbed from a Google image search, this is just a friendly P.S.A. that people’s reproductive and procreative plans and decisions are none of your business. NONE OF YOUR BUSINESS. Before you ask the young married couple that has been together for seemingly forever when they are nally gonna start a family... before you ask the parents of an only-child toddler when a Little Brother or Little Sister will be in the works... before you ask a single 30-something if/when s/he plans on having children because, you know, clock’s ticking... just stop. Please stop. You don’t know who is struggling with infertility or grieving a miscarriage or dealing with health issues. You don’t know who is having relationship problems or is under a lot of stress or the timing just isn’t right. You don’t know who is on the fence about having kids or having more kids. You don’t know who has decided it’s not for them right now, or not for them ever. You don’t know how your seemingly innocent question might cause someone grief, pain, stress or frustration. Sure, for some people those questions may not cause any fraught feelings but I can tell you, from my own experiences and hearing about many friends’ experiences – it more than likely does. Bottom line: Whether you are a wanna-be grandparent or a well-intentioned friend or family member or a nosy neighbor, it’s absolutely none of your business. Ask someone what they’re excited about right now. Ask them what the best part of their day was. If a person wants to let you in on something as personal as their plans to have or not have children, they will tell you. If you’re curious, just sit back and wait and let them do so by their own choosing, if and when they are ready.“

www.facebook.com/emilybinghamwriter

Vielleicht denken wir alle beim nächsten Mal, wenn wir uns selbst dabei ertappen, dass die Neugier über eine mögliche Schwangerschaft einer Bekannten in uns aufsteigt, an die Zeilen von Emily Bingham und schweigen, anstatt zu fragen. Denn wie Emily treffend schreibt – unsere Freunde werden ganz bestimmt von sich aus davon berichten, wenn es soweit ist. Und wenn nicht? Ja, dann soll es eben so sein, die Gründe dafür müssen wir nicht wissen, das macht das Paar mit sich aus.

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